Der Leibniz-WissenschaftsCampus NanoBrain ist ein Zusammenschluss mehrerer führender Forschungsinstitute und Gruppen aus Mainz, die sich gemeinsam das Ziel gesetzt haben, innovative Medikamente zur Behandlung stressassoziierter psychischer Erkrankungen zu entwickeln.

Warum brauchen wir neue Medikamente gegen depressive Störungen?

Schätzungen zufolge leiden weltweit etwa 5 % der Erwachsenen an Depression. Traumatische Erlebnisse oder belastende Lebensereignisse sowie chronischer Stress können die Entstehung dieser Erkrankung begünstigen, ebenso wie Krisenzeiten, etwa während Kriegen oder Pandemien, in denen die Zahl der Betroffenen deutlich ansteigt. Die Auswirkungen von Depressionen sind oft tiefgreifend und schwerwiegend. Sie erhöhen das Risiko für zahlreiche andere chronische Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht und zählen zu den häufigsten Ursachen für Frühberentung. Im schlimmsten Fall endet eine depressive Erkrankung tödlich:  jeder 100. Todesfall in Deutschland ist ein Suizid, und bei jungen Erwachsenen ist der Suizid sogar die häufigste Todesursache. Kurz gesagt, Depressionen stellen nicht nur eine enorme Belastung für die Betroffenen dar, sondern auch für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft insgesamt. Daher ist es dringend notwendig, neue, wirksame Wege zu finden, um diese Krankheit effektiv und gezielter zu behandeln.

Die derzeit verfügbaren medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten sind jedoch nicht frei von Nachteilen: die Wirkung der Medikamente setzt erst verzögert ein. Außerdem sprechen nicht alle Patienten auf eine antidepressive Therapie an, oder unerwünschte Nebenwirkungen erschweren die Behandlung

Welche Herausforderungen müssen überwunden werden?

Innovative Medikamente haben zum Ziel, depressive Erkrankungen unmittelbar an ihrer Ursache zu behandeln. Nur so kann man eine optimale Wirkung erzielen und gleichzeitig das Risiko von Nebenwirkungen erringern. Eine der ersten Hürden auf diesem Weg besteht darin, die genauen Ursachen der Erkrankung aufzuklären. Hierbei leisten die Expertinnen unseres NanoBrain Konsortiums einen entscheidenden Beitrag. Mit neu entwickelten (Tier-)Modellen schaffen sie die notwendigen Werkzeuge, um die hochkomplexen zellbiologischen Prozesse zu entschlüsseln, die der Entstehung depressiver Störungen zugrunde liegen – und sie anschließend gezielt zu korrigieren.

Zur Reparatur dieser „fehlerhaften“ Prozesse setzen wir unter anderem auf die innovative mRNA-Technologie. Diese Technologie, die vor allem durch den Coronavirus-Impfstoff bekannt wurde, basiert darauf, dem Körper eine präzise Anleitung zur Produktion körpereigener Stoffe zu liefern, um spezifische biologische Mechanismen gezielt zu steuern und anzupassen.

Eine weitere Herausforderung bei der Behandlung depressiver Störungen ist der gezielte Transport der Wirkstoffe ins Gehirn. Wie eine Schutzmauer sorgt die sogenannte Blut-Hirn-Schranke dafür, dass nur wenige, ausgewählte Substanzen das Gehirn erreichen. Dies erschwert die medikamentöse Behandlung von Gehirnerkrankungen erheblich. Doch auch hier haben wir Lösungen. Mit Hilfe von ExpertInnen in der Nanotechnologie entwickeln wir winzig kleine „Transporter“, die es ermöglichen, die Wirkstoffe sicher durch die Blut-Hirn-Schranke zu schleusen und gezielt im Gehirn freizusetzen.

Unsere Forschungsergebnisse bringen uns nicht nur einen großen Schritt näher an eine effektive Behandlung depressiver Erkrankungen, sondern eröffnen auch neue Perspektiven für die Therapie anderer schwerwiegender Gehirnerkrankungen, wie Alzheimer oder Parkinson.

Wie wollen wir dieses Ziel erreichen?

Gemeinsam sind wir stärker. Jedes Mitglied unseres Konsortiums bringt ein einzigartiges Puzzleteil an Wissen und know-how ein – von neurobiologischem Wissen über neueste Modelle und präzise Analysen bis hin zu mRNA-Technologie und Nanotechnologie. Durch eine enge und intensive Zusammenarbeit können wir unsere Ziele erreichen und die Behandlungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der depressiven Störungen einen großen Schritt voranbringen.

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